Kolbenhemd gebrochen

  • Hallo zusammen,


    mir ist kürzlich das Kolbenhemd gebrochen, daher musste ich Kurbelwelle und Gehäuse komplett reinigen.

    Zum Glück habe ich Anfang des Jahres bereits einen überarbeiteten und beschichteten Zylindersatz in Auftrag gegeben, der jetzt eingebaut wird.

    Beim Zusammenbau kam mir die Frage zur Kurbelwellenwuchtung. Die neuen Kolben werden komplett neu angefertigt. Solange die Kolben gleich schwer sind, müsste die Balance der Welle ja grundsätzlich passen. Hat jemand Erfahrung, ab welcher Abweichung eine Wuchtung wirklich nötig wird? Ich dachte daran, die Kolben einfach zu vergleichen und auszuwiegen – reicht das eurer Meinung nach?


    Die Welle Sowie Lager scheinen mir noch gut zu sein. Kein Höhenspiel und nach dem Spülen laufen die Lager mit einem Tropfen Öl-Benzin Gemisch normal ruhig.


    Außerdem überlege ich, ob sich ein Umbau auf Labyrinthdichtungen lohnt oder ob man das lieber lässt. Manche berichten von besserer Abdichtung bei hohen Drehzahlen, andere von unnötigem Aufwand. Gibt es hier jemanden, der den Umbau schon gemacht hat und etwas zu Vorteilen oder Problemen sagen kann? Freue mich über eure Erfahrungen und Einschätzungen.


    Würde hier eine zweite Kurbelwelle Komplett überholen.


    Grüße

    Al

  • Servus Al

    wuchten kann man 2T-Wellen eh nicht. Ist ein Mythos. Lediglich den Rundlauf kann man optimieren.

    Zu den Labyrinthdichtungen: Wie alt bist Du? Ich denke mal zwischen 55 und 65 Jahre.

    Was denkst Du wieviel Km fährst Du noch auf die H1? Eine Kurbelwelle kann man maximal zwei Mal revidieren. Dann sind die Passsitze nicht mehr in der Lage die Kräfte aufzunehmen.

    Also Kurbelwelle nur machen wenn sie es braucht. Ausserdem kommt da ein ganz schöner Betrag zusammen, was nicht sein muss.

    Wenn der Motor vorher gut gelaufen ist und keine übermäßigen Geräusche gemacht hat, würde ich nichts machen. Wieder zusammenbauen und gut is.

    Pit

  • Hallo Pit,


    erst mal danke dir für die Antwort.

    Ich bin 32 und hab noch vor ein paar 1000 km auf die Maschine zu fahren. :grimacing_face:

    Die Kurbelwelle an sich und Lager sind noch sehr gut. An der möchte ich auch nichts ändern. Hatte nur die Befürchtung, dass etwas geändert werden müsste.

    Welchen Vorteil hab ich von den Labyrinthringen?


    Ich bin auf das Thema mit der Kurbelwelle wuchten gekommen, da alle nicht OEM Kolben schwerer sind.

    Habe hier neue speziell angefertigte: 232 g

    Scheuerlein Motorentechnik: 211 g

    OEM:199 g


    Gemessen mit Kolbenringen aber oder Bolzen und Klipse.


    Es wird daraus hinauslaufen, dass die Kolben leichter werden müssen.

    Hier bin ich mir aber auch noch nicht sicher, wie und wo..


    Grüße

    Al

  • Hallo Al

    Du drückst den Altersschnitt ja beträchtlich. :winking_face:

    33g Unterschied zum org. Kolben ist schon eine Hausnummer. Das wirst du schon merken.

    Die Kurbelwellen sind org. schon "gewuchtet". Mir gefällt das Wort nicht, für mich ist wuchten wenn ich eine CNC Werkzeugaufnahme für 42000 U/min feinwuchte. Da gibt es dann keine Unwucht mehr.

    Das geht aber bei einem Kurbeltrieb nicht. Ausser mit einer Ausgleichswelle.

    Also ist es immer ein Kompromiss. Dazu bohrte Kawa die Löcher in die Kurbelwangen und hat sie teils mit Alu oder Blei ausgefüllt um die Vibrationen einigermaßen in den Griff zu bekommen.

    Warum nimmst Du nicht org. Kolben, oder von anderen Anbietern die dem org. ähnlich sind?

    Pit

  • Ja genau mit dem aufgießen der Bohrungen kann man das wohl auch machen.


    Ich habe bearbeitete und aufgemotzte Zylinder mit 2 mm Übermaß und sind Beschichtet. Vom Motorenbauer - bin ich noch im Austausch - habe ich passend angefertigte Kolben mit 232 g. Bin noch im Austausch was hier machbar ist.

    Gibt es den noch weitere gute Hersteller?

    Von geschmiedeten wurde mir von jedem Motorenbauer abgeraten.


    Grüße Al

  • Hallo zusammen,


    um ein Missverständnis vorzubeugen: Kurbelwellen werden sehr wohl ausgewuchtet - nur eine komplette Auswuchtung macht keinen Sinn (also 100% auswuchten entspricht 0 auswuchten). Üblich sind 45% bis 70% der translatorischen Massen (Kolben, Kolbenbolzen und der ober Teil vom Pleuel). Es kommt auf die Richtung der verbleibenden Unwucht - diese sollt wenn möglich immer in die stabilste Richtung von Rahmen und Motorgehäuse gehen. Im Netz gibt es dazu genügend Videos.


    Eine Erhöhung des Kolbengewichtes hat nicht nur eine Auswirkung auf die Wuchtung, sondern in erster Linie auf die Lagebelastung. Nur 100gr mehr erzeugen bei 9000 U/min eine zusätzliche Belastung von 1,5 Tonnen!! Immer bei UT und OT wird der Kolben abgebremst und wieder beschleunigt - das erzeugt die Lagerbelastung. Also den Kolben mal umdrehen und die Stellen lokalisieren, die noch entfernt werden können


    Gruß

  • Hi Yogi,


    ich komme nur auf ca. 2,6 kN mehr bei 100 g und 9000 1/min. Was auch schon extrem viel ist.


    Mit den 1,5 t, bin ich erstens verwirrt und auch schockiert. Wie rechnest du?


    Ja, ohne eine Anpassung der Kolben würde ich nicht weiterfahren können..


    Aus wuchten der Kurbelwelle möchte ich um alles vermeiden. Sonst hab ich beide den nächsten Kolben wieder Probleme..


    Grüße und vielen Dank für eure Rückmeldung


    Al

  • Massenausgleich 3-Zyl. Reihenmotor

    → Translatorische Massenkräfte heben sich auf, sprich Kolbengewicht erstmal egal sofern gleichmäßig über alle Zylinder

    → Höheres Kolbengewicht erzeugt aber auch größere Last. Die Frage ist was die Lager original können und ob 2,6kN das Krauft fett machen. Zur Not nachrechnen

    → Wuchtfaktor der Kurbelwelle wird darauf ausgelegt sein, das entstehende Moment auszugleichen. Ohne Ausgleichswelle ist das immer ein Kompromiss, wie es der translatorische Massenausgleich durch die Kurbelwelle beim Einzylinder ist


    Den Wuchtfaktor der Kurbelwelle ändern mildert nur die Vibrationen die man spürt. Die mehrkraft im Pleuel und in den Lagern ist durch die schwereren Kolben trotzdem vorhanden. Ich würde daher die Kurbelwelle so lassen wie sie ist und entweder die Kolben möglichst gleichmäßig und nahe an das originalgewicht bringen und fahren - oder - die Kolben untereinander auf eine möglichst gleichmäßige Masse bringen, das originalgewicht ignorieren und fahren. Wenns nicht taugt, ist das spürbar. Dann einfach nochmal zylinder ziehen. Material aus den Kolben rausnehmen kann man dann immernoch

  • Bei Yamaha ist das so: Die RD 350 Kurbelwellen sind eigentlich auf 54er Kolben ausgelegt, also 250ccm.

    Fahren tun die auch mit 66er Kolben ohne große Probleme.

    Den Wellen macht das gar nichts, die Lagersitze im Gehäuse leiden mehr, da es auch nur auf vielleicht 35 PS und 54er

    Kolben ausgelegt ist.

    Schwere Lenkergewichte helfen.


    Gruß

    Stulle

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